Feldbackanlagen

 

Als Erstes möchte ich mich für die aktive Hilfe bei der Suche nach Hintergrundwissen, Fotos und Details bei Hans-Joachim Schyia aus Prenzlau, dem nva-forum.de/Rückwärtige Dienste/Feldbäckerei mit den Beiträgen von peter-schreiber (orlow) und Bernd-Ro, bei Jörg Vogel aus Berlin sowie auch an dieser Stelle bei Winfried Pietzonka aus Arzfeld ganz herzlich bedanken. Ohne diese Unterstützung wäre dieser Ordner nicht zustande gekommen.

Mit der Gründung der Nationalen Volksarmee der DDR wurde auch die Schaffung einer unabhängigen Versorgung der Armeeangehörigen außerhalb der Kaserne notwendig. Neben der Warmverpflegung mit Essen und Getränken, die durch Küchenwagen und gezogene Kochgeräte (Feldküchen) abgesichert wurde, kam ein vielfältiges Sortiment an Kaltverpflegung in Form von Konserven und Komplekten zur Truppe. Ein wichtiges Element unserer nationalen Ernährung ist neben Kartoffeln und Fleischwaren das Brot. Hierzu wurde in jeder Division eine Feldbäckereianlage geschaffen.

FBA 52 "Werner & Pfeiderer":

Bereits ab dem Jahre 1952 existierte zur Versorgung der Kasernierten Volkspolizei bei Übungen und Manövern außerhalb der festen Unterkünfte die Feldbackanlage Typ 52 der Firma "Werner & Pfeiderer". Von ihr wurden bereits die Feldbacköfen und die Produktionslinie der 2. Herstellungssserie bei der Deutschen Wehrmacht, bis 1945 kriegserprobt, verwendet. 1956 übernahm die NVA diese Brotproduktionslinie und acht Jahre später konnte die vollkommen neue Linie der ersten Nachkriegsproduktion, die Feldbackanlage "mot64" bei der Truppe eingeführt werden. Diese Anlage (mot64) bestand zu 100 % aus DDR-eigener Herstellung.

Ab 1964 wurde die alte Wehrmachts-FBA 52 mit den Backgeräten der Firma "Werner & Pfeiderer" in die Reserve II versetzt und konserviert eingelagert, so auch bei der Zivilverteidigung (ZV) der DDR für den Fall von Havarien und Katastrophen. Auch von dieser Backofenbauart ist mindestens ein Exemplar bis in die heutige Zeit funktionstüchtig erhalten geblieben.

FBA mot64:

Mobilitätsbasis war der bewährte Lkw IFA G-5 als Pritsche/Plane-Ausführung und als Spezialkoffer-Fahrzeug. Rund 25 Zugfahrzeuge und Anhänger bildeten den Komplex der Brotbacklinie. Es gab ein Melder- und Regulierer-Krad, ein Führungsfahrzeug (meist der geländegängige P2M), etwa 10 Lkw G-5 Mannschaftstransporter und Brotauslieferungswagen, einen Mehltransport-Lkw und einen Mehlaufbereitungs-Lkw - beide als Kofferfahrzeuge G-5K; weiterhin drei Spezial-Kofferanhänger E-5K als Teigbereitungs-, Trog- und Teigverarbeitungsanhänger. Das Kernstück waren zwei Feldbacköfen auf 8-t-Anhängerfahrgestell. Zur Sicherstellung wurden weiterhin benötigt ein Ölheizanhänger auf Einachsfahrgestell 1,2 t mit 6 Dieselfässern, ein Elektroaggregat GAD-16 sowie ein Reserveaggregat, eine Beleuchtungsanlage LA-62 und ein Wassertankwagen 1550. Für die Eigenversorgung der für den Ernstfall bzw. Manöver vorgesehenen etwa 120 Armeeangehörigen, die einschließlich der Wachmannschaft und Kraftfahrer dann für das Betreiben der FBA nötig waren, stand eine Verpflegungstransporteinrichtung VTE mit Feldküche FKü 180/62 zur Verfügung. Normalerweise wurde das Personal von der Anzahl her eher knapp bemessen.

Der Feldbackofen erhielt sich bis zur Auflösung der NVA 1990 in dieser Bauart und ist in mindestens einem Exemplar sogar noch 20 Jahre danach voll funktionsfähig in privater Hand.

In 90 Minuten konnten 480 Brote a` 1,5 kg in der Feldbackanlage hergestellt werden, das sind 11,5 t Brot in 24 Stunden.

FBA-72:

Ab 1972 wurde die FBA mot64 zur FBA-72 modernisiert und erhielt neue Lkw auf Basis IFA W-50LA/A als Zugmaschinen und Transportmittel sowie mit neuen Spezialkoffern AK für den Mehltransport und die Mehlaufbereitung, welche die Runddach-G5 (K) - Koffer ersetzten. Die drei Anhänger E5(K) für die Teigherstellung blieben weiterhin in der Anlage, ebenso der G5-Wassertankwagen 1550. Der S-4000 Küchenwagen wurde durch den ROBUR LO-1800A VTE mit angehängter Feldküche FKü 180/72 ersetzt.

FBA-72M: 

10 Jahre später erfolgte eine weitere Modernisierung auf Basis URAL-Lkw, jetzt hieß der Komplex FBA-72M. Die beiden W-50 mit den Spezialkoffern AK blieben weiter bestehen, die E5(K)-Anhänger der Teigherstellungslinie entfielen und wurden ersetzt durch Spezialkoffer auf dem Fahrgestell HL 80.76/21 (Teigzubereitung), HL 80.76/22 (Trog/Teigruhe-u. Lager) und HL 80.76/23 (Teigverarbeitung).  10 URAL 375D ersetzten die W-50 zum Ziehen der Anhänger, zum Transport von Mannschaften und Material. Der G5 Wassertanker 1550 wurde durch einen URAL Trinkwassertanker AC 5-375 mit Tankanhänger HL 50.45/12 ersetzt. Die beiden bewährten Backöfen Typ 64 wurden mit neuen Fahrgestellen versehen und weiterhin verwendet,das Elektroaggregat war jetzt ein GAD-20. Neu hinzu kam ein Brunnenbohrgerät SKB-60B auf ROBUR LO-1800A und eine Trinkwasser-Aufbereitungsanlage WFS-2 auf Einachsanhänger für die unabhängige Wassergewinnung. Der Ölheizanhänger hatte jetzt das neue Fahrgestell HL 10.10 mit Druckluftbremsanlage. Für die Eigenversorgung sorgte ein LO 2002A VTE mit Feldküche FKü 180/72 und als Führungsfahrzeuge dienten das Krad MZ ES-250/A und der UAS 469B.

Die FBA-72M war gegenüber der FBA-72 komplett erneuert und den Gegebenheiten der 1970er und 80er Jahre angepaßt worden. Äußeres Merkmal waren die neuen Kofferanhänger AK (HL 80.76...) und die URAL-Lkw.

 

        Feldbackanlage Typ 52 "Werner & Pfeiderer" :

 Die erste, von der KVP übernommene, bunt zusammengewürfelte Feldbackanlage der NVA bestand noch größtenteils aus Zugfahrzeugen und Anhängern vom II. Weltkrieg, sowohl von der Roten Armee als auch von der Deutschen Wehrmacht. Ab dem Jahre 1953 begann in Werdau die Produktion des LKW's IFA G5 und auch der Import sowjetischer, leistungsstarker LKW lief an, die Rückwärtigen Dienste und insbesonders die Verpflegungskompanien wurden meist sehr zurückhaltend mit neuer Technik versorgt. In erster Linie wurde die "Kämpfende Truppe" mit neuer Technik bestückt und "hinten" rollte die Alttechnik, solange sie noch rollte.

Gesamtansicht des Komplexes der Feldbackanlage FBA-52 "Werner & Pfeiderer".

Teigknetanhänger 35 im Urmodellbau (Eigenbau)

Feldbackofen 106 im Urmodellbau (Eigenbau). Nur das Fahrgestell stammt von Modelltec.

Militärlastkraftwagen IFA S-4000 mit dem Feldbackofen 106. Die Firma Werner & Pfeiderer entwickelte für die Deutsche Wehrmacht diesen Feldbackofen Sonderanhänger Sd.-Anh. 106. Pro Bäckereikompanie gab es jeweils 5 dieser Öfen, die mit Holz beheizt wurden. An einem Tag konnten 9600 Brote in den 5 Öfen gebacken werden, der Holzverbrauch lag dabei um die 20 Zentner.

Feldbackofen Sd.-Anh. 106 (Eigenbau) 

Feldbackofen 106, linke Seite. 

Führungsfahrzeug Wartburg 311 als Kübelwagen Typ 311/4.

ZIS-164 mit dem Teigknetanhänger Sd.-Anh. 35 (Anhänger Eigenbau). Die Knetwendeln wurden während des Marsches über die Achse angetrieben, im stationären Einsatz übernahm das ein Elektromotor. Bis zu 1800 Kg Teig konnten pro Stunde bearbeitet werden.

Teigknetanhänger 35 (Eigenbau) 

Teigknetanhänger Heckansicht 

S-4000 mit Geräteanhänger. Hier waren Ersatzteile, Zubehör, Werkzeuge und Zelte untergebracht. 

Geräteanhänger. (Umbaumodell)

S-4000 mit Teigruheanhänger. Hier standen Tröge mit dem Brotteigansatz zum Reifen. 

ZIS-164 mit Mehltransportanhänger. 

GRANIT 27 Aw/Zg als Zugmittel für das Elektroaggregat 6,5 Kw. Hiermit wurde die Stromversorgung des Teigknetanhängers und die Beleuchtung der Backzelte gewährleistet. Auf der Ladefläche des LKW's befanden sich Kabeltrommeln und Beleuchtungssätze. (Aggregat Eigenbau) 

GRANIT 27 W/K als Brotauslieferungsfahrzeug. 

GARANT 30K als Brotauslieferungsfahrzeug im Gelände. 

GAZ-51 mit Anhänger als Brennholztransporter. (Anhänger Umbau)

GAZ-51 mit Anhänger. 

ZIS-5 als Behelfs-Wassertransporter. 

ZIS-151 TW 2G1 mit Wassertransportanhänger WTA-1000 (Anhänger Eigenbau)

WTA-1000 (Eigenbau) 

 ZIS-5 Gerätewagen mit Doppelkabine als Verpflegungstransporteinrichtung und Vorratslager mit angehängter Feldküche FKü 100/57 (Eigenbau) zur  Eigenversorgung der Feldbäckereikompanie. 

    

                     Feldbackanlage mot64 :

 

Gesamtansicht der Feldbackanlage FBA mot64

 

Die beiden Feldbacköfen (Eigenbau) mit Brotauslieferungs-Lkw. Im Hintergrund die G-5 Transportfahrzeuge. Wenn zwischenzeitlich kein Brot für die direkte Versorgung der Truppe benötigt wurde, erfolgte in einem klimatisierten Zelt die Konservierung der Brote, die so jahrelang haltbar waren.

 

Vorn links der Wassertankwagen 1550, rechts daneben das Elektroaggregat GAD-16 (1. Serie), Bildmitte die E5-Kofferanhänger der Teigbereitungslinie mit Doppeltüren an beiden Stirnwänden und abgeplanten Übergängen für den technologischen Ablauf des Fließbands. (Alles Eigenbau)

Links quer neben dem Mehlaufbereitungs-G5 steht an dessen Seitentür der  Mehltransport-Lkw  mit geöffneter Doppelhecktür. (Umbau)

Im Vordergrund der Ölheizanhänger (Eigenbau), Bildmitte die VTE, hier noch auf Basis IFA S-4000, mit FKü 180/62. (Eigenbau) 

Bildmitte der Feldbackofen mit der Arbeitsbühne (Eigenbau)

Links die Rückseite mit dem Ölbrenner, rechts die Backofenseite mit den 4 Ofenklappen. Der Backofen konnte mit Dieselölbrenner sowie auch mit festen Brennstoffen wie Holz und Briketts betrieben werden.

 

In Marschlage wurden die Schornsteine nach hinten umgelegt, die Arbeitsbühne, Ölbrenner und Meßgeräte wurden transportfertig gemacht.

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Ab hier sind die Bilder der Feldbäckereikompanie mot64 im Marschzustand als Marschband zu sehen.

Motorrad als Regulierer und Melder, Geländewagen P 2M als Führungsfahrzeug und Mehlaufbereitungs- G5 mit Teigbereitungsanhänger G5(K)

Mehltransport-Lkw mit Troganhänger (Sauerteiglagerung) und Transport-Lkw Pr./Pl. mit Teigverarbeitungsanhänger

Transport-Lkw mit  Feldbackofen I

Transport-Lkw mit Feldbackofen II

Mannschaftstransport-Lkw und Transport-Lkw mit Brottransportanhänger

 

Transport-Lkw mit Diesel-Elektroaggregat GAD-16 (Eigenbau)

Transport-Lkw mit Ölheizanhänger  

Transport-Lkw mit Lastenanhänger E-5 

Küchenwagen S-4000 mit Feldküche FKü 180/62 

Bei späteren Modernisierungen wurde der S-4000 ausgemustert und die Versorgungstransporteinheit auf ROBUR LO VTE kam

Der G-5 WTW 1550 Wassertankwagen bildete das Schlußfahrzeug der etwa 900 m langen Marschkolonne

 

        

Letzte Änderung: 23.10.2011

  

 

 

 

 

 

 

 

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